Narkoseformen

Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin

Narkoseformen

Jede Narkose bedeutet für Patienten eine außergewöhnliche Situation. Viele Menschen fürchten sich davor, weil sie nicht einschätzen können, was genau auf sie zukommt. Deshalb nehmen wir uns genügend Zeit, die Narkoseverfahren in Ruhe zu erklären und Fragen zu beantworten. In den Aufklärungsgesprächen geht es auch darum, den Gesundheitszustand des Patienten zu ermitteln. Welche Medikamente nimmt er aktuell ein? Gibt es körperliche Beeinträchtigungen? Gemeinsam legen wir dann die für ihn beste Form der Narkose fest.

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Eine Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) ermöglicht es, eine Operation durchzuführen, ohne dass der Patient dabei Schmerzen empfindet oder wahrnimmt, was geschieht. Dazu verabreicht der Arzt Narkosemittel. Er spritzt die Medikamente entweder direkt in die Vene (Schlafinduktion) oder verabreicht sie als Narkosegase mittels eines Beatmungsschlauchs oder einer Beatmungsmaske (reine Inhalationsnarkose). Daneben existiert noch die sogenannte balancierte Anästhesie, eine Mischung aus den beiden genannten Formen.

Während der Narkose müssen die Atemwege des Patienten gesichert werden. Je nach Operation wird dazu ein Beatmungsschlauch (Endotrachealtubus) in die Luftröhre eingeführt. Es stehen aber auch andere Instrumente zur Verfügung, zum Beispiel eine Kehlkopfmaske. Sollte der Patient erbrechen müssen, verhindert der Schlauch, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt. Außerdem kann er darüber künstlich beatmet werden. Der Anästhesist entfernt den Schlauch, bevor der Patient wieder bei Bewusstsein ist.

Der Ablauf der Allgemeinanästhesie lässt sich in drei Schritte einteilen:

  1. Einleitung (Anflutung): Die Narkosemittel werden zugeführt, ihre Konzentration im Gehirn nimmt zu. Der Patient fällt in den Tiefschlaf.
  2. Unterhaltung: Menge und Bedarf der Narkosemittel werden während des Eingriffs ständig an den aktuellen Bedarf des Patienten angepasst.
  3. Ausleitung (Ausflutung): Die Konzentration der Medikamente nimmt nach der Operation langsam ab, der Patient wird wieder wach.

Um alle wichtigen Körperfunktionen des Patienten – Atmung, Herz, Kreislauf und Sauerstoffzufuhr - stets im Blick zu haben, überwacht der Anästhesist die Narkose durchgängig.

Lokalanästhesie (Teilnarkose oder örtliche Betäubung)

Bei der Lokalanästhesie wird lediglich ein bestimmter Bereich im Körper betäubt. An dieser Stelle schalten Lokalanästhetika den Schmerz aus, ohne das Bewusstsein des Patienten zu beeinflussen. Die örtlichen Betäubungsmittel wirken direkt an ausgewählten Nervenenden und hemmen die Weiterleitung des Schmerzimpulses an das Gehirn.

Zwei Formen der Lokalanästhesie lassen sich unterscheiden:

  1. Oberflächenanästhesie: Bei dieser Methode trägt der Arzt die Betäubungsmittel als Spray oder in Tropfenform auf die Haut auf.
  2. Infiltrationsanästhesie: Hierbei spritzt der Anästhesist das Betäubungsmittel direkt in das Gewebe des Operationsgebietes.
Regionalanästhesie

Im Gegensatz zur Vollnarkose soll die Regionalanästhesie das Schmerzempfinden nur in der operierten Körperregion ausschalten. Dazu wird die Schmerzleitung vom zentralen Nervensystem, also vom Rückenmark oder vom Gehirn, zum Operationsgebiet blockiert. Zur Regionalanästhesie zählen die Spinalanästhesie (SPA), die Periduralanästhesie (PDA) und Teilnarkosen mit Kathetertechnik. Der Patient bleibt in der Regel bei Bewusstsein, kann jedoch auch in einen Dämmerschlaf (Sedierung) versetzt werden.

Spinalanästhesie (SPA)

Bei der Spinalanästhesie spritzt der Anästhesist das Narkosemittel im Bereich der Lendenwirbelsäule in den Hirnwasserraum. Der Hirnwasserraum befindet sich zwischen dem knöchernen Wirbelkanal und dem Rückenmark. Die verabreichten Medikamente verteilen sich und betäuben die darin schwimmenden Nervenbahnen. Dies empfinden Patienten zunächst als Wärme im Becken, im Gesäß oder in den Beinen. Nach fünf bis zehn Minuten entsteht ein Taubheitsgefühl. Die Wirkdauer der Rückenmarksnarkose hängt von den Medikamenten ab und kann bis zu vier Stunden betragen. Die SPA findet etwa 400 Mal pro Jahr bei Kaiserschnitten Anwendung. Darüber hinaus wird die SPA auch bei chirurgischen Eingriffen am Unterbauch, im Beckenbereich sowie an den unteren Extremitäten angewendet.

Rückenmarksnahe Narkose (PDA)

Die Periduralanästhesie im Lendenwirbelsäulenbereich eignet sich für Operationen an den Beinen und im Beckenbereich. Unsere Ärzte greifen häufig bei normalen Geburten auf dieses Verfahren zurück, um Müttern die Schmerzen bei der Entbindung erträglicher zu machen. Außerdem kann die PDA beim Kaiserschnitt und bei der Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt werden.

Bei der Periduralanästhesie (PDA) spritzt der Anästhesist das Betäubungsmittel in den Periduralraum. Der Periduralraum liegt außerhalb des Hirnwasserraums und ist mit Nervenwurzeln durchzogen, die aus dem Rückenmark ragen. Eben diese Nervenwurzeln werden durch die Narkosemittel blockiert und unterbrechen somit die Schmerzleitung zum Gehirn. Mithilfe der PDA können auch einzelne Regionen im Brust- und Bauchraum betäubt werden. Wie bei der SPA empfinden Patienten zunächst Wärme in den betroffenen Regionen, die von einem Taubheitsgefühl abgelöst wird. Die Wirkung tritt jedoch erst etwas später, nach etwa 15 Minuten, ein. Die häufigste Form der Periduralanästhesie ist die sogenannte lumbale Periduralanästhesie. Sie dient der schmerzarmen Spontangeburt und kommt bei uns im St. Johannes-Hospital etwa 600 Mal pro Jahr zum Einsatz.

Im Bereich der Brustwirbelsäule lassen sich Schmerzen ebenfalls per PDA ausschalten (thorakale PDA). Die thorakale PDA führen unsere Ärzte circa 200 Mal im Jahr bei großen Operationen am Brustkorb oder im Bauchbereich durch. In einer täglichen Schmerzvisite kontrollieren wir die Schmerztherapie und stellen den Patienten individuell ein.

Erweitertes Narkosemonitoring

Bei jeder Narkoseform müssen wir unsere Patienten durchgängig intensiv überwachen. Das betrifft insbesondere die Tiefe der Narkose, die Herz-Kreislauf-Funktionen und die Atmung beziehungsweise Beatmung.

Bei einer Operation am Herzen oder anderen großen Eingriffen kontrollieren wir die lebenswichtigen Körperfunktionen mit weiteren Methoden:

  • Ständige Überwachung von Herz-Kreislauf-Funktionen (Herzfrequenz, Blutdruck) per EKG, Ultraschall (Transösophageale Ultraschalluntersuchung, kurz: TEE), Lungenarterienkatheter und Venenkatheter, arterielle Blutdruckmessung, Laborkontrollen, Temperaturmessung
  • Kontrolle von Narkosetiefe mittels EEG und der Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff